Koffer gepackt ... und überlebt?

Schüler erinnern an die Befreiung von Auschwitz Morbacher Schüler führen ihr Theaterstück „Koffer gepackt und überlebt?" für Wittlicher Realschüler auf

Die Kurfürst-Balduin-Realschule plus als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ und das Haus der Jugend in Wittlich erinnerten am 27. Januar auf besondere Weise an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 70 Jahren. Statt einer Gedenkminute zeigten die Theaterschüler der IGS Morbach ihr Stück „Koffer gepackt und überlebt?“ im vollbesetzten Saal im Haus der Jugend. Die Morbacher Gruppe hatte zu Büchern, die sich mit dem Schicksal jüdischer Kinder im Nationalsozialismus beschäftigten, Trailer gedreht, die Einblicke in die Bücher und deren Hauptfiguren gaben. Anschließend schlüpften die Darsteller auf der Bühne in die Rollen der Figuren. In einer Szenenfolge spannte sich der Bogen vom Verstecken, dem Abschiednehmen, der Deportation, der Erinnerung und der Hoffnung bis zum Ende im Konzentrationslager. Im Anschluss an die bemerkenswerte Aufführung  meldeten die jugendlichen Zuschauer ihre Eindrücke zurück. Viele fanden es mutig und zeigten Respekt, dass Theaterschüler sich gerade mit diesem Thema beschäftigen und dies auch in einer anderen Schule zeigen. Nicht nur diejenigen unter den Zuschauern, die eines der Bücher schon im Unterricht gelesen hatten, waren überrascht, wie Inhalte „lebendig“ wurden und fühlten mit den Geschichten mit. Auch Hans- Joachim Floter vom Haus der Jugend war beeindruckt von der schauspielerischen Leistung der Schüler und Deutschlehrerin Ina Röper sah in der Inszenierung und den beeindruckenden Szenen eine große Wirkung.

Zum Stück und seiner Enstehungsgeschichte: Koffer gepackt und überlebt?

Kindheit im Nationalsozialismus – Theaterszenen zu Büchern

Die Schülerinnen und Schüler des Wahlpflichtfaches Darstellendes Spiel der IGS Morbach haben mit ihren Spielleiterinnen Uschi Moog (DST-Lehrerin an der IGS) und Marije Idema (Schauspielerin) Filmszenen zu verschiedenen Jugendbüchern über Kinder im Nationalsozialismus erarbeitet. Bei der Theater- Präsentation werden Situationen aus diesen Büchern zu einer Szenenfolge aneinandergefügt. Der Bogen spannt sich vom Verstecken, der Angst, dem Abschied nehmen, dem Transport, der Wut, der Erinnerung und der Hoffnung bis zum Ende.


So entstanden die folgenden Szenen:

1) in Rollen schlüpfen

2) ins Ghetto müssen

3) abtransportiert

4) sich verstecken

5) abgeholt werden

6) Abtransport im Güterwaggon

7) Erinnerungen an früher

8) vermissen

9) Verlust

10) Tod

11)  Leben / aus Rollen schlüpfen

Einige Szenen aus dem Stück und deren Vorlagen

 

 

 

 

 

Die Entstehungsgeschichte des Projektes an der IGS Morbach

Zu Beginn des Schuljahres kamen die Schiiler in den Proberaum und fanden eine Menge alter Koffer vor. Diese wurden untersucht und man lauschte den Geschichten, die die Koffer zu erzahlen hatten. Es wurde improvisiert und entdeckt, was man mit Koffern alles machen kann. Folgende Frage war dann zu beantworten: Du musst von Zuhause weggehen und darfst nur mitnehmen, was in deinen Koffer passt. Die Zettel mit den aufgeschriebenen Dingen wurden in der Gruppe verglichen, einiges wurde dann gestrichen, anderes ergänzt. In einem nächsten Schritt waren die von der Schülerbücherei angeschafften Bücher zum Thema -Kindheit im Nationalsozialismus- im Raum arrangiert. Bei leiser Musik wanderten die Schüler zwischen den Büchern hindurch, ließen sich von Titel und Bild inspirieren, fanden im Klappentext die ersten Hinweise auf den Inhalt und entschieden sich dann für eines der Bücher. Nachdem alle ihr Buch gelesen und den anderen vorgestellt hatten, bestand die Aufgabe darin, aus seinem Buch eine Passage auszuwählen, die besonders beeindruckt hat, weil sie lustig, bedrückend, bewundernswert war oder einfach für den Leser, die Leserin etwas bedeutete.

Aus den Notizen und Ideen der Schiiler und Schiüerinnen und aus den Improvisationen, die im Unterricht bei Theaterübungen entstanden, haben die beiden Spielleiterinnen die Szenen im Entwurf zusammengestellt.Die Einzelaufhahmen für die Trailer wurden überwiegend am Nachmittag gemacht, hier herrschte meist mehr Ruhe für den Dreh. Die Einzelbetreuung sorgte für eine sehr intensive Arbeitsatmosphäre. Die Szenen wurde viele Male durch das Spiel verändert, um beim Dreh zu dem beabsichtigten Ergebnis zu kommen. Widrige Umstände, wie ungeplantes Licht durch den Bewegungsmelder, Tanzmusik aus dem Nebenraum oder Kostüme, die nicht wirklich passten, führten dabei zu lustigen Situationen.Zu Kleidung und Frisuren wurde im Internet nach Fotos aus der Zeit zwischen 1933 und 1945 gesucht, manch einer konnte Zuhause etwas Passendes finden, fehlende Kostüme wurden gebraucht gekauft und gegebenenfalls umgenäht.In der Projektwoche dann galt es, die einzelnen Szenen, die der Spur nach schon im Unterricht gelegt waren, durch intensive Rollenarbeit für die Aufführung vorzubereiten. Dabei lag der Schwerpunkt auf Körperarbeit und den Positionen im Raum, sodass die Präsentation sowohl durch die reduzierten Texte als auch durch die entstehenden Bilder wirken kann.